
Ostholstein – Eltern, Schule, Social Media – schon Kinder und Jugendliche stehen häufig unter dem Druck, „perfekt“ zu sein und zu performen. Dieses Streben nach Perfektion kann psychisch belastend sein. Perfektionismus ist ein komplexes Persönlichkeitsmerkmal, das von unterschiedlichen Faktoren und Emotionen beeinflusst werden kann. Allgemein wird angenommen, dass Kindheit und Jugend entscheidende Phasen für die Entwicklung von Perfektionismus sind. Dabei spielen die Eltern auch im Kreis Ostholstein eine zentrale Rolle.
„Menschen sind soziale Wesen und Anerkennung ist uns wichtig. Perfektionismus kann als Bedürfnis nach Anerkennung gedeutet werden – etwa als Folge mangelnder elterlicher Akzeptanz in Verbindung mit zu hohen Erwartungen und entsprechender Kritik, wenn Kinder diesen Erwartungen nicht gerecht werden“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Reinhard Wunsch.
Unterschied zwischen Perfektionismus und gesundem Ehrgeiz
Perfektionismus bedeutet, dass sehr große Erwartungen an sich gestellt und hohe Leistungsstandards gesetzt werden – sei es im Beruf oder in der Schule, beim Sport oder in Beziehungen. Das muss nicht zwangsläufig problematisch sein. Wenn der Wunsch nach herausragenden Eigenschaften und Leistungen die Fähigkeit einschließt, Fehler anzuerkennen, aus ihnen zu lernen und festgelegte Ziele anzupassen, ist das ‚gesunder Ehrgeiz‘ (funktionaler Perfektionismus). Er kann die Freude am eigenen Leben und an der eigenen Tätigkeit sogar stärken.
Sind Ziele jedoch zu hochgesteckt, ist das Streben nach Perfektion unrealistisch. Wer immer wieder an unerreichbaren Zielen scheitert, erlebt häufig Frustration. Dies kann mit Minderwertigkeitsgefühlen, Stress und Versagensangst einhergehen. Dieser dysfunktionale Perfektionismus kann die psychische Gesundheit belasten.
Formen des Perfektionismus
Die psychologische Forschung unterscheidet drei Formen des Perfektionismus:
Selbstbezogener Perfektionismus ist der Anspruch gegenüber sich selbst, perfekt sein zu müssen. Beim sozialen Perfektionismus wird davon ausgegangen, dass das soziale Umfeld anspruchsvoll ist und Perfektion notwendig ist, um Anerkennung zu erlangen: ‚Andere erwarten, dass ich perfekt bin.‘ Beim fremdorientierten Perfektionismus werden unrealistische Maßstäbe an andere gesetzt: ‚Andere müssen perfekt sein.‘
Die einzelnen Formen können sich gegenseitig beeinflussen. Fremdorientierter Perfektionismus kann sich bei den Betroffenen als sozialer Perfektionismus auswirken und dann wiederum den selbstbezogenen Perfektionismus verstärken.
Eltern und Erziehung
Kinder und Jugendliche wollen oder müssen den Erwartungen ihrer Eltern gerecht werden. Das war vermutlich schon immer so. In jüngerer Zeit kommt außerdem der Einfluss der digitalen Medien hinzu. Eine zu hohe Erwartungshaltung der Eltern kann Kindern vermitteln, dass Erfolg und Perfektion entscheidend sind, um Anerkennung und Zuneigung zu erhalten. Scheitern hat Kritik zur Folge und kein Verständnis. Wenn Eltern selbst perfektionistisch sind, können Kinder deren Perfektionismus beobachten und imitieren. Weitere mögliche Einflussfaktoren sind Bindungsstile, starke elterliche Kontrolle und bestimmte Erziehungsstile.
Weitere Infos im Internet unter aok.de/pk/magazin/koerper-psyche unter ‚Perfektionismus bei Kindern.








