
Hamburg – Das NDR Verbrauchermagazin Markt hat verschiedene Steinpilzprodukte aus dem Supermarkt untersuchen lassen: Tiefkühl-Steinpilze, eine Steinpilz-Pizza sowie getrocknete Steinpilze. Das Ergebnis ist alarmierend – in nahezu allen getesteten Produkten wurden Madenfraß, veraltete Pilzteile und teils Maden oder Würmer entdeckt. Ein Produkt enthielt einen Plastikfaden.
Pilzsachverständige und Verbraucherschutz stufen mehrere Produkte als nicht verzehrgeeignet ein und sehen einen Verstoß gegen die Leitsätze für Speisepilze und Speisepilzerzeugnisse.
Tiefkühl-Steinpilze der Marken „EDEKA“ (Herzstücke) und „Niklas“ (Premiumqualität, erhältlich bei Kaufland) hat der NDR von unabhängigen Experten bewerten lassen. Bei beiden Produkten stellten die Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie Nadja Frotscher und der Spitzenkoch Jens Rittmeyer Mängel fest: Madenfraßgänge in Stielen und Hüten, olivgrüne bis bräunliche Röhrenschichten sowie eine weiche, breiige Konsistenz bei der Zubereitung.
Die Pilzsachverständige warnt: Starker Madenfraß kann zur Eiweißzersetzung und damit zur Magenunverträglichkeit führen. Das gleiche Ergebnis zeigte sich in weiteren Tiefkühl-Verpackungen. In den Tiefkühl-Pilzen der Marke „Niklas“ wurde zudem ein Kunststofffaden entdeckt.
Britta Schautz von der Verbraucherzentrale Berlin kritisiert: „In den Leitsätzen für Speisepilze und Speisepilzerzeugnisse steht, dass die Produkte praktisch frei sein sollen von Teilen, die viele Madenfraßgänge haben. Und für Steinpilze ist auch näher beschrieben, dass die Röhren keine olivgrüne Färbung haben dürfen, sondern heller sein müssen.“ Die Verbraucherschützerin sieht darin bei beiden Produkten einen Verstoß gegen die Leitsätze.
Auf Anfrage schreibt „EDEKA“, dass der Wurmschaden „… nicht als solcher zu erkennen“ sei. Die Strukturen entsprächen der „… natürlichen Gewebestruktur des Pilzes.“ Man führe „Eigenkontrollen“ „auf Basis der in den Leitsätzen (…) beschriebenen Beschaffenheitsanforderungen“ durch. „Niklas“ antwortet dem NDR: „Eine grüne bzw. olivgrüne Röhrenschicht ist (…) kein Nachweis dafür, dass der Pilz verdorben oder gesundheitsschädlich ist. Ein Insektenbefall könne „… nicht zu 100% ausgeschlossen werden. Ein Kunststofffaden entspricht selbstverständlich nicht unserem Qualitätsstandard.“
In der Pizza Porcini von „Marziale“ mit Steinpilzen, erhältlich bei EDEKA, fanden die Experten dunkle Röhren und Madenfraßgänge. Beim Öffnen einer zweiten Pizza wurde ein ganzer Wurm entdeckt.
Der Hersteller „Marziale“ schreibt dem NDR auf Anfrage, man nehme den Fund „… sehr ernst“ und nehme ihn zum Anlass, „… noch einmal genauer hinzuschauen.“
Und auch in getrockneten Steinpilzen aus Supermarkt und Bioläden zeigten sich in einer Stichprobe starke Madenstichigkeit, sehr lange Röhren, ein unangenehmer Geruch und eine sichtbare Made. Die vom NDR in Auftrag gegebene Laboruntersuchung stellte außerdem in allen untersuchten Produkten erhöhte Werte von Bacillus cereus fest. EinKeim, der zu Magen-Darm-Erkrankungen führen kann. Problematisch: Für getrocknete Steinpilze gibt es bislang keine verbindlichen Grenz- oder Warnwerte.
Mehr dazu in der Sendung Markt am 19.10. um 20.15 Uhr im NDR Fernsehen und im ARD Kompetenzcenter Verbraucher.








