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Kiel – Das Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen Berlin (IQB) attestiert für Schleswig-Holstein zwar – ebenso wie im Bundestrend – sinkende Kompetenzwerte, allerdings ist dieser Trend im nördlichsten Bundesland nicht einheitlich. So liegt Schleswig-Holstein etwa an der Spitze der Bundesländer beim Mittelwert Zuhören, die schleswig-holsteinischen Schülerinnen und Schüler schneiden dort im Mittel besser ab als der deutsche Durchschnitt. Im Lesen, Orthografie und Mathematik liegt Schleswig-Holstein im deutschen Durchschnitt.

Bildungsministerin Karin Prien sagte dazu heute (17. Oktober) in Kiel: „Im Vergleich zum Bundesdurchschnitt hat Schleswig-Holstein weniger Risikoschülerinnen und -schüler im Bereich Lesen und Zuhören. Mehr Kinder erreichen bei uns im Zuhören mindestens den Regelstandard.“ In Mathematik hat der Anteil von Risikoschülerinnen und -schülern seit 2016 signifikant zugenommen, der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die den Regelstandard erreichen, abgenommen. Dies gilt auch für Lesen und Orthografie.

Gesamtentwicklung ist besorgniserregend

Die Gesamtentwicklung bezeichnete die Ministerin als besorgniserregend, dies gilt insbesondere für Mathematik. Die Belastungen durch die Corona-Pandemie mit den langen Schulschließungen, Wechselunterricht und Distanzlernen, die fortschreitende Inklusion mit den hohen Anforderungen an individuell und differenziert gestalteten Unterricht und schließlich eine veränderte Zusammensetzung der Schülerschaft durch die Fluchtbewegungen und insgesamt mehr Kinder mit Migrationshintergrund sind einige Erklärungen. „Die Welt ist eine andere als noch vor zehn Jahren und unsere Schulen müssen sich noch stärker darauf einstellen“, sagte Prien.

Bereits in der Kita Bedarfe besser diagnostizieren

Eine Schlussfolgerung sei: „Wir müssen noch eher im Bildungsverlauf mit der allgemeinen und insbesondere mit der systematischen Sprachförderung ansetzen. Bereits in der Kita müssen wir besser die Bedarfe diagnostizieren.“ In den Schulen hingegen müssten die Bildungsstandards noch besser implementiert werden. „Die vorhandenen Daten aus Leistungserhebungen werden noch zu wenig genutzt. Viel zu oft orientieren sich die Schulen stärker an den Lehrbüchern und weniger an den kompetenzorientierten Fachanforderungen“, so die Analyse der Ministerin. Am Ende wird auch die Verbesserung der Qualität in der Lehreraus- und -fortbildung entscheidend sein.

Gleichzeitig betonte sie: „Es gibt bereits eine Reihe von erfolgreichen Ansätzen und Projekten, die wir allerdings offenbar noch stärker in die Breite bringen müssen. Auch müssen wir die Auswirkungen der zweieinhalb Jahre Corona-Pandemie auf unsere Schulen berücksichtigen.“

•          Das Programm „Niemanden zurücklassen mit „Lesen macht stark“ (seit 2014/15) und „Mathe macht stark“ (seit 2012/13). Seit dem Schuljahr 2018/19 gibt es ein ergänzendes Trainingsprogramm zur Automatisierung basaler Kompetenzen im Lesen und Schreiben. Zudem wird eine Trainings-App für Lesen ab dem Herbst dieses Jahres angeboten. Seit diesem Schuljahr nimmt jede zweite Grundschule am Programm teil. Weitere Möglichkeiten der Leseförderung werden geprüft. Ministerin Prien: „Wir werden einen genaueren Blick darauf werfen, welche weiteren Schulen in das Programm aufgenommen werden müssen. Und wir werden die Sprachstandserhebungen in den Kitas verbindlich im Rahmen des PerspektivSchulprogramms einführen.“

•          Schleswig-Holstein stellt im Rahmen des Aufholprogramms den Schulen mehr personelle Ressourcen zur Verfügung. Dafür wird das Programm „Aufholen nach Corona“ zunächst bis zum Ende des ersten Halbjahres 2022/23 fortgesetzt.

Es bleibt bei mehr Mitteln im Vertretungsfonds (rund 20 Millionen Euro) zur Einstellung von zusätzlichem Personal und beim Lerncoaching. Insbesondere leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler sollen gezielt in den Kernkompetenzen Deutsch, Mathematik und Englisch gefördert werden. Deshalb sollen die Mittel vorrangig dafür eingesetzt werden.

Ministerin Prien: „Wir haben den Masterplan Mathematik in Schleswig-Holstein mit zahlreichen Maßnahmen etabliert. Dazu gehören z. B. die Stärkung der Mathematik in der Lehrkräftebildung, eine zusätzliche Stunde in den Jahrgängen 1 und 2 und Mathematik-Zertifikate für fachfremd unterrichtende Lehrkräfte. Jetzt werden wir eine weitere Aufstockung der Stunden in der Grundschule zur Stärkung der basalen Kompetenzen vornehmen.“

•          Es wird zukünftig noch mehr Wert auf die Erhebung der Lernstände gelegt. Bereits jetzt stehen den Schulen neben den flächendeckenden Vergleichsarbeiten eine ganze Reihe von diagnostischen Unterstützungsinstrumenten des IQSH zur Verfügung. Ergänzend dazu finden sich ab dem Schuljahr 2022/23 in itslearning Lernstandserhebungen für die Jahrgangsstufen 3 und 4 und 6 bis 10.

•          Da die Lernrückstände an Übergängen besonders relevant sind, wird den Schulen vom IQSH in der Online-Testplattform LeOniE.SH seit diesem Schuljahr eine standardisierte Online-Lernausgangslagenerhebung in Deutsch und Mathematik für den 5. Jahrgang angeboten (Lernstand 5), die mit passgenauem Trainingsmaterial für die Verwendung im Anschluss ergänzt wird.

•          Für die Beschulung geflüchteter Schülerinnen und Schüler werden weiter zusätzliche Stellen bereitgestellt, zuletzt im Mai insgesamt 264 Stellen für Deutsch als Zweitsprache (DaZ-Stellen).

Ministerin Prien: „Wir werden gemeinsam mit den Schulen und mit der Schulaufsicht die Ergebnisse im Detail analysieren und weitere Maßnahmen ableiten. Eine entsprechende Arbeitsgruppe hat bereits ihre Arbeit aufgenommen. Diese wird auch alle drei Phasen der Lehrkräftebildung umfassen.“

Den Bericht, eine Zusammenfassung der Ergebnisse sowie weitere Informationen zum IQB-Bildungstrend 2021 finden Sie unter

https://www.iqb.hu-berlin.de/bt/BT2021/Bericht

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