Foto: Arno Reimann
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Bad Nenndorf – Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat hierzulande im vergangenen Jahr 393 tödliche Unglücke in den Gewässern verzeichnet. Das sind 18 Todesfälle weniger als im Jahr 2024. Die meisten Badeunfälle ereigneten sich im Juni.

„Wäre es in der folgenden Hauptferienzeit weiterhin so sonnig und heiß geblieben, hätten wir wohl erneut einen Anstieg der Opferzahl vermelden müssen“, sagte die Präsidentin der DLRG, Ute Vogt. Denn insbesondere bei herrlichem Sommerwetter steige die Zahl der Unfälle sprunghaft an. Trauriger Höhepunkt: An einem Wochenende im Juni kamen 15 Menschen beim Baden und Schwimmen ums Leben.

Über die Hälfte (56 Prozent) der tödlichen Unfälle ereignete sich während der Badesaison von Anfang Mai bis Ende August. Im sonnigen Juni zählte die DLRG 69 Todesopfer, 17 Personen mehr als im Vorjahresmonat. Nach anfänglicher Hitze ging die Zahl der Unglücke im niederschlagsreichen Juli zurück. Dennoch verloren 52 Menschen ihr Leben im Wasser (2024: 66). Im August ertranken 65 Kinder, Jugendliche und Erwachsene (2024: 80). In den Herbst- und Wintermonaten kamen insgesamt weniger Menschen zu Tode.

Anzahl junger Opfer gestiegen

Die meisten Opfer in der DLRG-Statistik für das Jahr 2025 waren älter als 60 Jahre: 138 Personen entsprechen 42 Prozent der Opfer bekannten Alters. Im Vorjahr hatte die Organisation für Wasserrettung in dieser Altersgruppe 171 Fälle verzeichnet (48 Prozent). Einen Anstieg um jeweils elf Todesfälle im Vergleich zu 2024 gab es hingegen unter den 11- bis 20-Jährigen sowie den 21- bis 30-Jährigen.

„Das ist besorgniserregend und setzt sich hoffentlich in diesem Jahr so nicht fort“, sagte die DLRG-Präsidentin und fügte hinzu: „Nur eine Person unter den 73 Opfern in diesen Altersklassen war weiblich. Gerade unter männlichen Jugendlichen und jungen Männern sind Übermut und Selbstüberschätzung leider weit verbreitet und ebenso wie der Konsum von Alkohol mitursächlich für tragische Unfälle.“ Unter allen Todesopfern bekannten Geschlechts waren auch 2025 vier von fünf männlich (82 Prozent).

Die Zahl der tödlich verunglückten Kinder bis zehn Jahre lag mit 13 deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen 25 Jahre (29 Fälle). Zuletzt erfasste die DLRG im Jahr 2012 weniger Todesfälle in dieser Altersgruppe (12). Hinzu kommen jedes Jahr Ertrinkungsunfälle, die nicht tödlich enden, aber schwere lebenslange Folgen für die Opfer haben. Zudem enthält die DLRG-Statistik keine Unglücksfälle in den eigenen vier Wänden, also etwa in der heimischen Badewanne.

Mehr Prävention und Ausbildung gefordert

Den Schlüssel zu geringeren Unfallzahlen in allen Altersgruppen sieht DLRG-Chefin Vogt vor allem in der Präventionsarbeit: „Wir benötigen sicher noch mehr Aufklärung. Insbesondere Menschen, die nicht sicher schwimmen können, müssen für die möglichen Gefahren sensibilisiert werden.Auch Angler auf Booten, Paddler oder Segler sind leider noch allzu oft unbedarft, was ihre eigene Sicherheit betrifft.“

Daneben fordert die DLRG weiter einen Ausbau der Angebote fürs Schwimmenlernen. Allen voran muss der Schwimmunterricht in den Schulen flächendeckend wie in den Bildungs- und Lehrplänen vorgesehen erteilt werden. Dafür benötigen die Schulen zum einen mehr Sportlehrkräfte, die auch für die Schwimmausbildung befähigt sind, sowie zum anderen mehr Kapazitäten in nahegelegenen Schwimmbädern. „Unsere Kinder können mehrheitlich nicht sicher schwimmen, wenn sie die Grundschule verlassen. Sie stehen fortan immer weniger unter Beobachtung der Eltern und sind ein Leben lang gefährdeter am und im Wasser. Aus Sicht der DLRG ist das ein unnötiges Lebensrisiko“, kommentierte Ute Vogt.

Seen und Flüsse häufigste Unfallorte

Weiterhin finden neun von zehn (88 Prozent) tödlichen Unfällen in öffentlich zugänglichen Gewässern im Binnenland statt – mit deutlichem Abstand die meisten in Seen und Teichen (158) sowie in den Fließgewässern (153). Dazu die DLRG-Präsidentin: „Flüsse, Seen und allgemein unbewachte Gewässer sollten möglichst gemieden werden. Am sichersten ist das Baden und Schwimmen dort, wo Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer im Notfall direkt vor Ort sind.“

Insgesamt 22 Opfer (2024: 30) kamen in den Meeren ums Leben. Während die DLRG für die Nordsee mit fünf Fällen zwei mehr als im Vorjahr erfasste, waren es für die Ostsee zehn tödliche Unfälle weniger (17). Die 27 Frauen und Männer, die 2024 in der Ostsee ertranken, hatten einen Höchstwert in der Statistik der DLRG für dieses Gewässer bedeutet.

Viele weitere Unglücke an den Küstenstränden konnten im Sommer 2025 verhindert werden. So waren während der Badesaison von Anfang Mai bis Ende September allein von der DLRG wieder mehr als 6.000 ehrenamtliche Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer im Einsatz. Sie besetzen an sieben Tagen in der Woche die als Badestellen eingerichteten Strandabschnitte. In 240 Fällen waren die freiwilligen Lebensretter auf oder im Wasser im Rettungseinsatz. Hinzu kamen hunderte lebensrettende Hilfeleistungen der Ehrenamtlichen, die an über 2.000 Freigewässern und Schwimmbädern im gesamten Bundesgebiet die Freizeit am und im Wasser sicher machen.