Foto: arstodo

Kiel – Am fünften Tag des Hilfseinsatzes der schleswig-holsteinischen Katastrophenschutzeinheiten  wurde das erste Einsatzkontingent aus Schleswig-Holstein sukzessive gegen neue Kräfte ausgetauscht. Die ersten Einheiten hatten sich bereits am Sonnabend auf den Weg nach Ahrweiler gemacht, wo der Mobile Führungsstab Schleswig-Holstein aktuell einen eigenen Einsatzabschnitt eigen-verantwortlich bearbeitet. Am frühen Sonntagmorgen kamen erste Einheiten im Einsatzgebiet an.

Auch die Stabsleitung wechselt jetzt. Neuer Einsatzleiter ist jetzt Thomas Köstler, Amtsleiter der Berufsfeuerwehr Lübeck. Er löst Marc Kutyniok (Berufsfeuerwehr Neumünster) ab. „Durch die Ankunft der Teilkontingente in etwa zweistündigen Abständen stellen wir sicher, dass die Übergabe des Materials Schritt für Schritt und geordnet erfolgen kann. Ziel ist es, dass die frischen Kräfte zum Ende des Tages komplett übernommen haben und an den Start gehen können“, sagt Martin Guttchen (Berufsfeuerwehr Kiel) vom Mobilen Führungsstab SH.

Derweil sind inzwischen sechs Todesopfer unter den Feuerwehrangehörigen zu beklagen. In der Woche kam eine 19-jährige Feuerwehrfrau aus der Verbandsgemeinde Adenau (Rheinland-Pfalz) im Einsatz ums Leben. „Wir sind erschüttert und fühlen mit allen Angehörigen und den Feuerwehrkameradinnen und -kameraden der betroffenen Feuerwehr“, so Schleswig-Holsteins Landesbrandmeister Frank Homrich.

Der angekündigte Einsatz an einer Tiefgarage im Zentrum von Ahrweiler, bei dem zu befürchten stand, dass man noch weitere Verunglückte findet, ging zum Glück gut aus. Mit massiven Kapazitäten an Tauchpumpen haben Feuerwehr und THW versucht, die Anlage leer zu pumpen. Das gelang aufgrund der Größe der Garage nur zum Teil. Es stellte sich dann aber heraus, dass eine Werkfeuerwehr diese Anlage bereits vor einigen Tagen geleert und keine Opfer gefunden hatte. Nachdrückendes Grundwasser ließ die Tiefgarage dann wieder volllaufen.

Ein großes Aufgabenfeld ist nach wie vor die Versorgung der Bevölkerung mit Frischwasser. Dafür sind die Dekon-P-Einheiten zuständig. Björn Broers vom Löschzug Gefahrgut des Kreises Segeberg ist dort tätig. „Alle hier eingesetzten LZ-G verstehen sich als eine Einheit und leben das auch so“, beschreibt er den Teamgeist.

„Alle vier Dekon-P sollten schnellstmöglich echtes Trinkwasser und kein Brauchwasser in das Einsatzgebiet bringen. Wir sind dann nach Schuld gefahren und haben dort das Wasser in bereitstehende Behälter umgefüllt“, so Broers. „Die Bilder, die man überall sieht, sind schon krass, aber live ist das Ausmaß der Zerstörung unvorstellbar.“

Beeindruckt zeigen sich die Kräfte von der Hilfsbereitschaft der Bürger. „In Adenau kam eine Bürgerin auf uns zu und fragt wie viele wir sind und kam wenig später mit einer Tüte vom Bäcker und schenkt uns allen ein Nusshörnchen und bedankt sich zehnmal dafür, dass wir da sind.“ Ein gleiches Bild wird aus dem Bereitstellungsraum Windhagen berichtet, wo man eigentlich gar nicht betroffen ist. Aber auch dort bringen die Bürger Kuchen und fragen, wie sie helfen können. Das geht so weit, dass dem Instandsetzungszug des THW dringende Ersatzteile beschafft werden oder eine große Lkw-Waschstraße spontan dauerhaft zur Verfügung gestellt wird.

Mit einem vollgelaufenen Keller in einer Grundschule hatten es andere Feuerwehr- und THW-Kräfte in Bad Neuenahr zu tun. Dort stand ein Wasser-Öl-Gemisch bis zur Decke, da die Heizöltanks ausliefen. Als dieses abgepumpt war, versuchten die Kräfte zu retten was ging. Nachdem man vorsorglich Gasmessungen durchgeführt hatte, wurde der Keller von Hand – teils mit Menschenkette – geleert. „Möbel, Bücher, Akten wurden durch Schlamm und Wasser zerstört“, berichtet Boris Wischow von der Freiwilligen Feuerwehr Nortorf. Es war ein kräftezehrender Einsatz, zumal der getrocknete Schlamm steinhart wurde. Bei den hohen Temperaturen wurde aus hygienischen Gründen in kompletter Schutzausrüstung und mit FFP2-Maske gearbeitet. „Dazu kam die stickige Luft.“, so Wischow. Eine Dekon-Gruppe einer Werk-feuerwehr unterstützte später bei der Grobreinigung von Schutzkleidung und Gerät.

Für Wischow und seine Truppe wirkt der Einsatz nach: „Wir haben Trümmerfelder gesehen und bisher nie gekannte Zerstörungen. Erschwert wurden die Zufahrten auch durch massives Verkehrsaufkommen. Mittlerweile wurde in dem Gebiet ein Fahrverbot für den Individualverkehr erlassen. „Wir haben aber eine gute Arbeit gemacht und sind stolz auf das Erreichte. Aber nun freuen wir uns auch wieder auf Zuhause“, so Wischow.

Dem stimmt auch Jürgen Greiwing (Freiwilligen Feuerwehr Flintbek) zu: „Wenn man Dank der Bevölkerung spürt – das ist ein befriedigendes Gefühl und bringt die Bestätigung, dass wir hier das Richtige getan haben. Wir sind stolz.“

(Pressemitteilung des Landesfeuerwehrverbandes SH im Auftrag des mobilen Führungsstabes Schleswig-Holstein)

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