
Stockelsdorf – Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage hat sich die Gemeindeverwaltung Stockelsdorf am Dienstag (1.9.) in einem internen Fachgespräch intensiv mit den Chancen von Open-Source-Software und digitaler Souveränität für die eigene IT-Landschaft beschäftigt.
Auf Einladung von Bürgermeisterin Julia Samtleben kam die Projektmanagerin des DigitalHub.SH, Anja Voß, ins Rathaus Stockelsdorf, um den Führungskräften, IT und Digitalisierung der Gemeinde einen Überblick über Möglichkeiten und Grenzen von Open-Source-Lösungen zu geben. Der DigitalHub.SH vernetzt im Auftrag der Landesregierung Schleswig-Holstein Kommunen, Land und Digitalwirtschaft und unterstützt öffentliche Institutionen bei Fragen rund um IT-Sicherheit, Systemabhängigkeiten und digitale Souveränität.
Hinter dem Begriff „digitale Souveränität“ steht eine Frage, die für öffentliche Verwaltungen zunehmend an Bedeutung gewinnt: Wie können digitale Systeme langfristig möglichst selbstbestimmt, sicher und unabhängig betrieben sowie Daten zugleich zuverlässig geschützt werden?
Viele zentrale Verwaltungsabläufe sind heute ohne funktionierende IT nicht mehr denkbar. Abhängigkeiten von einzelnen Software-Herstellern können daher technische, wirtschaftliche und strategische Auswirkungen haben – etwa wenn sich Lizenzmodelle, Preise oder Rahmenbedingungen verändern. Open-Source-Lösungen können eine Möglichkeit sein, solche Abhängigkeiten zu reduzieren, weil ihr Quellcode offen zugänglich ist und Betrieb sowie Weiterentwicklung grundsätzlich nicht ausschließlich an einen einzelnen Anbieter gebunden sind.
Im Mittelpunkt des zweistündigen Austauschs stand, welche Wege für Stockelsdorf mittel- und langfristig geeignet sein könnten, unabhängiger von einzelnen, insbesondere außereuropäischen IT-Anbietern, zu werden, ohne bestehende Arbeitsabläufe zu gefährden.
Als Referenzbeispiel diente die Landesverwaltung Schleswig-Holstein mit rund 30.000 Beschäftigten, die seit 2020 ihre IT-Infrastruktur schrittweise auf einen digital souveränen Arbeitsplatz mit Linux, LibreOffice, Open-Xchange und Nextcloud ausrichtet. Teilnehmer aus Verwaltung und IT-Abteilung der Gemeinde Stockelsdorf nutzten den Termin, um eigene Erfahrungen, offene Fragen und mögliche erste Schritte für die Gemeinde zu besprechen. Eine Festlegung auf eine konkrete technische Lösung oder einen vollständigen Systemwechsel war ausdrücklich nicht Ziel des Gesprächs; vielmehr sollte ein gemeinsamer Wissensstand geschaffen werden.
Der Digitalisierungsmanager Philipp Goetting betonte im Anschluss an den Termin, dass technische Fragen dabei nur ein Teil der Aufgabe seien:
„Aus meiner Sicht ist gerade die Unterstützung und Schulung der Endanwender:innen eine ganz wichtige Säule bei derart großer Veränderungen. Die größte Hürde sehe ich daher tatsächlich nicht nur auf der technischen Seite.“
Die Gemeinde Stockelsdorf plant, sich in den kommenden Monaten weiter mit den vorgestellten Ansätzen zu befassen und daraus mögliche erste Handlungsschritte für die eigene IT-Strategie abzuleiten. Bereits heute setzt die Verwaltung teils bewusst auf quelloffene Softwarelösungen.
Die Verwaltung bedankt sich bei Anja Voß und dem DigitalHub.SH für den fachlichen Austausch und den Einblick in die Erfahrungen der Landesverwaltung.






