Karin Prien und Gerhard Ulrich - Foto: MBWFK/oH
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Kiel – Kulturministerin Karin Prien hat heute (1. November) im Ministerium für Allgemeine und Berufliche Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur den neuen Beauftragten für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus in seinem Amt begrüßt. „Ich freue mich sehr, dass Gerhard Ulrich seine Erfahrung und sein Ansehen in den Dienst der jüdischen Menschen in unserem Land stellt“, so Prien.

Erfahrung und breite Vernetzung im Land

Nachdem in der vergangenen Wahlperiode unter dem Eindruck zunehmender antisemitischer Straftaten diese Funktion im für die Religionsgemeinschaften zuständigen Kulturministerium geschaffen worden war, war der ehemalige Ministerpräsident Peter-Harry Carstensen als Beauftragter berufen worden. „Mit dem ehemaligen Landesbischof Gerhard Ulrich konnten wir eine anerkannte Persönlichkeit für diese Aufgabe gewinnen, die sich sehr engagiert und entschieden für die Ökumene und einen versöhnlichen Dialog der Religionen eingesetzt hat. Gerhard Ulrich ist ein erfahrener Brückenbauer und er kennt die Menschen in Schleswig-Holstein“, beschrieb Karin Prien den neuen Beauftragten. Seine Erfahrung und seine breite Vernetzung im Land sei für die jüdischen Gemeinden ein großer Gewinn.

„Vielfalt ist eine Stärke jeder Gesellschaft“

Gerhard Ulrich (71) freut sich auf die neue Aufgabe: „Ich danke für das Vertrauen des
Ministerpräsidenten und der Landesregierung insgesamt und freue mich auf diesen wichtigen Dienst als Vermittler für die Stärkung des jüdischen Lebens und als Ansprechpartner für die jüdischen Verbände, Gemeinden und die Menschen jüdischen Glaubens in unserem Land“, so Ulrich. Immer wieder sei zu bemerken, wie gering das Wissen gerade um die jüdische Kultur und das jüdische Leben ausgeprägt sei und damit auch über die gemeinsamen Wurzeln in der Zivilgesellschaft. Bildung und Vermittlung seien daher ein entscheidender Beitrag für das friedliche Zusammenleben der Kulturen. „Vielfalt ist keine Störung oder Schwäche, sondern eine Stärke jeder Gesellschaft“, so Ulrich.

„Ich will Ansprechpartner sein für die Belange der jüdischen Verbände und Organisationen und gern will ich meine Erfahrungen und mein Netzwerk in Schleswig-Holstein und darüber hinaus zur Verfügung stellen.“ Ulrich hatte bereits nach seiner Berufung durch das Kabinett erste Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der jüdischen Landesverbände in Schleswig-Holstein geführt. Es sei eine überaus wichtige Aufgabe und Herausforderung zugleich, zu helfen, dass in der Gesellschaft das Bewusstsein für und das Wissen über die Jüdische Kultur und das jüdische Leben gestärkt werde. Dies gelte es durch Politische Bildung, Begleitung und Gespräche zu erreichen.

Gerhard Ulrich weiter: „Es erfüllt mich Freude und Dankbarkeit, zu sehen, dass in den letzten Jahrzehnten das jüdische Leben in unserem Land sich neu hat entfalten können – nach den Verbrechen des Naziregimes, nach der Ermordung von Millionen jüdischer Menschen und der Ausrottung ihrer Jahrhunderte alten Kultur! Religionen mit ihren Erfahrungen und Traditionen, mit ihren Welt- und Lebensbildern gehören zu jeder Kultur. Die jüdische Kultur und das jüdische Leben inmitten unserer Gesellschaft ist nicht nur eine Bereicherung unseres Zusammenlebens, sondern ist unverzichtbar als ein Stück unserer Kultur, die seit Jahrhunderten auch durch die jüdische Kultur geprägt war und ist. Wir haben im vergangenen Jahr zurückgeblickt auf 1700 Jahre jüdischen Lebens in unserem Land und dabei immer wieder wahrgenommen, wie stark unsere gemeinsamen Wurzeln sind, aus denen sich unser gesellschaftliches Zusammenleben speist – und das gilt nicht nur für die christlichen und die jüdischen Religionsgemeinschaften. Es ist auch angesichts der Schuld beladenen Vergangenheit eine bleibende Aufgabe und Verpflichtung, für die Entfaltung auch der jüdischen Kultur und des Jüdischen Lebens in Freiheit und Frieden zu sorgen; es geht dabei um die Freiheit des Denkens, Glaubens und Zusammenlebens überhaupt. Ich bin dankbar für die großen Anstrengungen, die Land und Bund in dieser Hinsicht leisten, um dem Grundrecht auf freie Religionsausübung Raum zu geben.“

„Kein Raum für Antisemitismus und Verfolgung jeder Art“

Die Gesellschaft erlebe angesichts vieler Krisen und Herausforderungen, angesichts von Zukunftsangst und Unsicherheit, wie unter anderem Formen des Antisemitismus wieder erstarkten. Der Kampf gegen alles vermeintlich Fremde fördere Hass und Verachtung. Immer wieder komme es zu Angriffen auch auf jüdische Menschen und ihre Einrichtungen. „Es darf in unserer Gesellschaft keinen Raum geben für Antisemitismus, gruppenbezogene Verachtung und Verfolgung jeder Art“, betonte Ulrich. Aber es gehe nicht nur um die krassen Bilder des Antisemitismus, sondern um den alltäglichen, fast beiläufigen Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft: Ab- und Ausgrenzungen, die tief eingegraben seien in unserer Kultur und Geschichte, die tradiert und weitergegeben werden, oft unbewusst – aber dadurch nicht weniger wirkmächtig.“

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