Kiel – Der neue Landesweite Nahverkehrsplan (LNVP) für die Jahre 2027 – 2031 ist fertig. Am 7. Juli hatte sich das Kabinett mit den Inhalten befasst. Nunmehr haben Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen und Dr. Arne Beck, Geschäftsführer des Nahverkehrsverbundes Schleswig-Holstein (NAH.SH), den Plan öffentlich vorgestellt. Zentrale Ziele des Nahverkehrsplans für Schleswig-Holstein sind: die Steigerung der Nachfrage im Schienenpersonennahverkehr, ein verlässlicheres Gesamtsystem, mehr Barrierefreiheit sowie ein kontinuierlich verbessertes Nutzungserlebnis.
Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen: „Schleswig-Holstein verfügt über ein sehr gutes Nahverkehrsangebot, das intensiv genutzt wird. Gleichzeitig stößt das System zunehmend an seine Kapazitätsgrenzen und hat insbesondere auf den stark frequentierten Strecken Qualitätsprobleme. Deshalb war es uns wichtig, in diesem Nahverkehrsplan konkrete Maßnahmen vorzusehen, die die Kapazitäten möglichst schnell erweitern und spürbare Verbesserungen für die Fahrgäste bringen.“
Mehr Kapazität:
- Einsatz von Doppelstockzügen auf den Linien RB61 Hamburg – Itzehoe und RB71 Hamburg – Wrist und damit Erhöhung der Sitzplatzkapazitäten.
- Längere Züge auf der Linie RE1 Büchen – Hamburg.
- Längere Züge in den Akkuzugnetzen, durch zusätzliche Fahrzeuge, vor allem auf den Linien: RE72 Kiel – Flensburg, RE74 Kiel – Husum, RB84 Kiel – Lübeck.
- Bahnsteigverlängerungen zwischen Kiel und Hamburg, damit bei Baustellen zwischen Neumünster und Hamburg Züge in Dreifachtraktion fahren können.
Mehr Zuverlässigkeit
- Ausbau der Strecke Neumünster – Bad Segeberg – Bad Oldesloe: Die Strecke soll elektrifiziert, überwiegend für eine Geschwindigkeit von 160 km/h ausgebaut werden und teilweise ein zweites Gleis erhalten. Dadurch entsteht eine Umleiterstrecke Neumünster – Hamburg.
- Einsatz der neuen Linie RE78 Kiel – Neumünster – Bad Segeberg – Bad Oldesloe – Hamburg als zusätzlicher stündlicher Zug zwischen Kiel und Hamburg. Dadurch entstünden auch die schnellen Direktverbindungen Kiel – Bad Segeberg, Bad Segeberg – Hamburg sowie Bad Oldesloe – Kiel. Bei Störungen zwischen Hamburg und Kiel können weitere Züge diese Umleiterstrecke nutzen.
Bessere Infrastruktur für den Ballungsraum Hamburg
- Fertigstellung der neuen S-Bahn-Linie 5 als Direktverbindung von Hamburg nach Quickborn, Henstedt-Ulzburg und Kaltenkirchen.
- Weiterbau der S-Bahn-Linie 4 Ost von Hamburg nach Ahrensburg, Bargteheide und Bad Oldesloe, u.a. mit einer neuen Station in Ahrensburg West mit Umstieg zur U-Bahn.
- Ausbau des Knotens Elmshorn und der Strecke Elmshorn – Pinneberg mit zwei zusätzlichen Gleisen sowie neuen Stationen in Elmshorn Süd und Pinneberg Nord.
- Reaktivierung der Bahnstrecke von Hamburg-Bergedorf nach Geesthacht.
Stärkung der Westküste
- Die Infrastruktur und das Bahnangebot der Marschbahn werden weiter verbessert. Nachdem bereits die Strecken nach Büsum und Bad St. Peter-Ording durch den Einsatz von Akkuzügen und Oberleitungsinselanlagen elektrifiziert wurden, folgt nun die Marschbahn. Zuvor gehen im Bereich Niebüll neue Stellwerke in Betrieb. Zudem steht der zweigleisige Ausbau zwischen Niebüll und Westerland an (beides Bundesprojekte). Mit Abschluss der Elektrifizierung werden die Linien RB61 und RB62 verbunden. Dadurch erhalten Wrist, Burg (Dithmarschen), St. Michaelisdonn und Meldorf regelmäßige Direktverbindungen nach Hamburg und weitere Stationen entstehen.
Bessere Infrastruktur für die Zentren
- Die für die Umlandverkehre um Kiel und Lübeck vorgesehenen S-Bahn-Systeme konkretisieren Land und NAH.SH als Regio-S-Bahn weiter. In Kiel gibt es mit der Reaktivierung der Bahnstrecke Kiel – Schönberger Strand und dem neuen Pendelzug nach Preetz bereits bis Ende 2027 deutliche Verbesserungen. In Lübeck entstehen nach Inbetriebnahme der FBQ-Schienenanbindung halbstündliche Direktverbindungen unter anderem zwischen Neustadt, Sierksdorf oder Bad Schwartau nach Hamburg.
- In Flensburg ist eine Neugestaltung des Bahnknotens vorgesehen. Mit einem neuen Innenstadtbahnhof können Fahrgäste direkt in der Stadt an der Hafenspitze ankommen. Ein neuer Bahnhof in Flensburg-Weiche soll für den Fern- und Regionalverkehr errichtet werden. Weitere Halte sind vorgesehen. Bereits vorher erhält Flensburg durch die geplante Flügelung des RE74 Kiel – Husum/Flensburg in Jübek eine weitere stündliche Verbindung mit Kiel.
Der LNVP setzt erfolgreiche Projekte fort
Der letzte LNVP (2022–2026) hatte unter anderem zum Ziel, die Folgen der Corona-Pandemie zu bewältigen und die Fahrgastnachfrage bis 2030 im Vergleich zum Jahr 2019 um 20 Prozent zu erhöhen. Mit Erfolg: Zwischen 2019 und 2025 lag der Nachfragezuwachs schon bei fast 20 Prozent.
Mehr Barrierefreiheit für den Nahverkehr war ebenfalls Ziel; mittlerweile sind unter anderem durch ein Programm von Land, NAH.SH und DB InfraGO 95 Prozent der Bahnstationen barrierefrei ausgebaut.
Durch den Einsatz von 55 Akkuzügen auf 40 Prozent der Bahnstrecken im Land hat sich auch bei der Klimaneutralität viel getan: Durch die Flotte spart das Land jährlich 10 Millionen Liter Diesel und 26.000 Tonnen CO₂ ein. Weitere Akkuzüge sollen folgen. Im Laufe des Jahres 2022 wurde zudem der Betrieb aller E-Züge auf Ökostrom umgestellt. Mit der S5 nach Kaltenkirchen und der Umstellung des restlichen AKN-Netzes auf Akkuzüge, der Elektrifizierung der Marschbahn und der Strecke Niebüll – Dagebüll setzt das Land auch in diesem LNVP den Wechsel zum klimaneutraleren Elektrobetrieb fort; mit der FBQ-Fertigstellung ist dann bald ganz Schleswig-Holstein unter Strom.
NAH.SH-Geschäftsführer Dr. Arne Beck: „In den vergangenen Jahren haben wir den Nahverkehr in Schleswig-Holstein bei Angebot, Kapazität, Klimaneutralität und Barrierefreiheit spürbar weiterentwickelt. Mehr Pünktlichkeit und eine höhere Verlässlichkeit des Systems bleiben jedoch zentrale Ziele, an denen wir konsequent weiterarbeiten müssen. Das gilt insbesondere vor dem Hintergrund der umfangreichen Bautätigkeiten und der bestehenden Infrastrukturdefizite bei der DB InfraGO, die den Bahnbetrieb weiterhin vor große Herausforderungen stellen.“
Alle im LNVP vorgestellten Projekte und Maßnahmen sollen nach Möglichkeit umgesetzt werden. Zur Priorisierung sind sie in die Kategorien „gesetzt“, „zu planen“ und „zu untersuchen“ eingeteilt. Das Land Schleswig-Holstein bewertet die gesetzten Projekte mit der aktuellen Finanzplanung als voraussichtlich finanzierbar.
Rege Teilnahme im Beteiligungsverfahren
Bereits im September 2025 begann mit einem ersten LNVP-Entwurf ein umfangreiches Beteiligungsverfahren mit den Trägern öffentlicher Belange, zum Beispiel regionale Akteure aus Politik und Verwaltung, Fachpersonen und Bürgern. Nach einem gemeinsamen Impulsforum hatten die Beteiligten im Februar dieses Jahres die Möglichkeit, Stellungnahmen einzureichen. Das Land und die NAH.SH prüften, bewerteten und beantworteten insgesamt 840 Anmerkungen und konnten viele Hinweise berücksichtigen. Im Mittelpunkt der Stellungnahmen standen vor allem die vorgesehenen Maßnahmen zur Leistungsfähigkeit des Knotens Lübeck und der weiteren Streckenverläufe bis Hamburg, zur Bäderbahn und zur Regio-S-Bahn Lübeck.
Der neue LNVP ist unter www.nah.sh/lnvp zu finden.
Alle Informationen zum Nahverkehr im echten Norden gibt es unter: www.nah.sh









