Foto: Arno Reimann
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Kiel – Die Einwohnerinnen und Einwohner von beliebten Urlaubszielen in Schleswig-Holstein stehen den Gästen ihrer Orte und Regionen und den damit verbundenen Auswirkungen und Entwicklungen überwiegend positiv gegenüber. Das ist das Ergebnis der jüngsten jährlichen Akzeptanzmessung des Deutschen Instituts für Tourismusforschung an der Fachhochschule Westküste (FHW) in Heide.

„Nach teils spürbaren Akzeptanzverlusten zu Beginn der 2020er Jahre, konnte letztes Jahr erfreulicherweise erstmals wieder eine leichte Verbesserung der Akzeptanz auf Wohnortebene festgestellt werden“, sagte Wirtschafts- und Tourismusminister Claus Ruhe Madsen am 4. Februar in Kiel.

In der Umfrage stimmten 47 Prozent der Schleswig-Holsteiner der Aussage zu, dass der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für ihren Wohnort sei. Etwa 36 Prozent erkennen an, dass der Tourismus die örtliche Nahversorgung fördert; 32 Prozent, dass der Tourismus das gastronomische Angebot steigert. Dennoch sehen lediglich 30 Prozent einen Beitrag des Tourismus zur Lebensqualität und zur Steigerung des Freizeitangebots. 36 Prozent gaben an, dass der Tourismus in ihrem Ort auch für die Einwohner zur Verteuerung von bestimmten Dingen führt.

„Im Vergleich von Teilregionen Schleswig-Holsteins fällt auf, dass besonders der urbane Raum – die Städte Kiel, Flensburg und Lübeck – eine hohe Zustimmung zum Tourismus aufweist“, so Madsen. Auch in den tourismusstarken Regionen an Nord- und Ostsee liege die Zustimmung zum Tourismus über dem Landesdurchschnitt. Dennoch hätten beide Küstenregionen auch einen vergleichsweise hohen Anteil an Negativ-Meinungen.

„Für uns ist das Ergebnis ein weiterer Beleg dafür, dass Tourismuspolitik stärker als bisher als Standort- und Lebensraumpolitik verstanden werden muss“, sagte Madsen. Die Forscher der FHW hatten 1012 repräsentativ ausgewählte Einwohner gefragt: Was kann getan werden, um die negativen Begleiteffekte des Tourismus zu kompensieren? Dabei wurden vor allem genannt: Mehr Wertschätzung für die Beschäftigten im Tourismus, ein besserer ÖPNV, die Reservierung von Wohnraum für Einheimische und die Einbeziehung von Einwohnern in touristische Pläne. Im Vergleich miteinander sind sie fast gleichrangig. Sie stießen auf Zustimmungswerte zwischen 57 und 63 Prozent.

Wie Madsen weiter sagte, sei aber nach wie vor das Niveau der Erstmessung aus dem Jahr 2019 noch nicht wieder erreicht. Eine positive und nachhaltige Tourismusentwicklung könne nur gelingen, wenn sie im Einklang mit der Bevölkerung realisiert werde und die Einheimischen darin auch einen Mehrwert für sich erkennen. „Tourismusakzeptanz ist also kein eindimensionales Thema. Sie entsteht nicht allein durch Besucherlenkung oder Angebotssteuerung, sondern ebenso durch faire Arbeitsbedingungen, Anerkennung und gesellschaftliche Wertschätzung“, so der Minister.